Schülergeschichten


Warum ich eigentlich Physiotherapeutin werden wollte, weiß ich auch nicht mehr so genau. Wenn mich jemand fragte, antwortete ich mit dem aussagekräftigen Kommentar: „Na ich wollte so was mit Menschen machen!“. Aber was „so was mit Menschen machen“ eigentlich bedeutet, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

Therese Duclos, Schülerin der Klasse Okt' 11

Physiotherapie ist nicht Wellness-Massage

Aktuell befinde ich mich im 2. Semester der Physiotherapie-Ausbildung an der Akademie für Sozial- und Gesundheitsberufe in Potsdam und bin jeden Tag aufs Neue über die Inhalte meiner Ausbildung überrascht. Schon nach der ersten Woche konnte ich gar nicht begreifen, was ich schon wieder alles gelernt hatte. Ich beschreibe die Ausbildung immer als halbes Medizinstudium und jeder Laie ist überrascht darüber, was wir alles lernen müssen. Physiotherapeuten sind eben keine "besseren Masseure". Ob Chirurgie, Orthopädie, Anatomie, Physiologie oder Innere Medizin - uns bleibt nichts erspart. Großes Interesse am Menschen gehört zu der Ausbildung genauso wie Einfühlungsvermögen, Toleranz, Kombinationsfähigkeit und Gefühl. Die ganze Lernerei macht nur Spaß, wenn man mit Herz und Seele dabei ist und sich engagiert. Man muss die Anatomie "inhalieren", man darf stets Menschen beobachten und sollte wie Muskeln und Organe denken, um alles zu verstehen.

Ich freue mich besonders über unsere engagierten Lehrkräfte. Mit aller Energie und Tricks aus der Pädagogenkiste versuchen sie uns den Lernstoff so gut wie möglich zu vermitteln. Die halbe Klasse wird in der Pause zum Patienten und die Lehrkräfte helfen bei allen Wehwehchen, privaten Problemen und Schulangelegenheiten. Der Spaß kommt auf jeden Fall auch nicht zu kurz. In so manchen Unterrichtsfächern schmunzle ich schon in mich hinein, wenn ich daran denke, wie andere Leute jetzt im Büro sitzen und ich mich eine Stunde lang im Massageunterricht "durchkneten" lasse. Die Ausbildung ist jedenfalls nichts für verklemmte Menschen. Das hat jeder von uns als erstes gelernt. Jeder hat jeden schon einmal halb angezogen gesehen und so einige Hemmschwellen mussten schon überwunden werden. Aber da heißt es, professionell bleiben, und so tun, als hätte man kein Problem mit einer "Po-Massage" von seinem Banknachbarn.

Ich bin wirklich froh darüber, gerade an dieser Schule gelandet zu sein. Es herrscht immer eine lustige, ausgelassene und familiäre Atmosphäre und alle gehen freundlich mit einander um. Ob Lehrer oder Schüler, alle sind stets darauf bedacht, jedem einen schönen Tag zu bereiten. Die Klasse ist ziemlich schnell zu einer Einheit geworden und jeder hat seinen Platz gefunden. Für mein Gefühl herrscht eine harmonische und familiäre Stimmung an der Schule und man fühlt sich schnell wie zu Hause.

Für mich ist das tollste an dem Beruf nicht „so was mit Menschen zu machen“, sondern den Menschen zu zeigen, dass sie dazu fähig sind, sich immer ein Stück weit selber zu heilen, ohne gleich zum Schmerzmittel greifen oder sich im schlimmsten Falle einer Operation zu unterziehen zu müssen. Der menschliche Körper hat so viel Potential und es gilt den Menschen beizubringen, dieses auch zu nutzen.