116 Luftballons auf dem Weg zum Horizont: Pflege-Azubis starten Ausbildung mit einem Ritual


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Quelle: Jens Steglich / Märkische Allgemeine Zeitung / 24.10.2022

116 junge Menschen wollen in ungewöhnlichen Zeiten einen Pflege- und Therapieberuf erlernen: Am Dienstag haben sie ihre Ausbildung an der Recura-Akademie begonnen – mit einem Ritual und 116 Wünschen, die sie auf die Reise schickten.

Beelitz-Heilstätten. Es waren 116 Luftballons, die am Dienstag in Beelitz-Heilstätten in den Himmel stiegen, um Wünsche in die Welt hinauszutragen. Wünsche, die junge Menschen haben, die in ungewöhnlichen Zeiten Pflege- und Gesundheitsberufe erlernen wollen. 116 Ballons sind nicht wenig für einen Betrieb und eine Branche, die besonders mit Fachkräftemangel zu kämpfen hat. Sie stehen für junge Leute, die an der Recura-Akademie mit den Schulstandorten in Beelitz-Heilstätten und Potsdam eine Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, zur Krankenpflegehelferin, zum Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten begonnen haben.

 
Erster Tag beginnt mit einem Ritual

Am Dienstag hatten sie ihren ersten Ausbildungstag, der mit einer Willkommensveranstaltung und einem Ritual begann, das 2021 eingeführt wurde. Jeder neue Azubi-Jahrgang der Akademie, die mit 600 Schülern brandenburgweit zu den größten Ausbildungsstätten für Pflege- und Therapierberufe des Landes gehört, schickt zum Start heliumgefüllte Ballons mit Wünschen auf die Reise. 

Alina Lubitz notierte zum Beispiel auf ihrem Wunschzettel: „Dass ich die Ausbildung mit der Freude, die ich mir erhoffe, absolvieren und ich diese Freude an die Kolleginnen und an die Patienten weitergeben kann.“

 
Menschen unterstützen und begleiten

Alina will Logopädin werden, ein Beruf, bei dem sie sich auch um Schlaganfallpatienten kümmern wird, die ihre Sprache verloren haben. „Meine Motivation ist, Menschen zu unterstützen und zu begleiten auf ihrem Weg zurück ins Leben“, sagt sie. Eigentlich wollte sie gleich nach dem Abi diese Ausbildung beginnen, „aber das war mir da noch nicht möglich“. Für die Logopädie-Ausbildung gab es keine Vergütung, im Gegenteil: Sie hätte monatlich 600 Euro zahlen müssen, um den Beruf erlernen zu können.
 

Sie wählte zunächst ein Kontrastprogramm

So wählte sie zunächst ein Kontrastprogramm und wurde Immobilienkauffrau. „Jetzt kehre ich zu dem zurück, was ich eigentlich wollte und hinter dem ich auch emotional stehe.“, sagte sie und fügte hinzu: „Durch den Ausbildungsverbund gibt es eine Ausbildungsvergütung. Ich wusste, wenn ich die Chance habe, Logopädin zu werden, dann mache ich das. Jetzt ist diese Chance gekommen.“ Nach Recura-Angaben bekommen Auszubildende in Pflege- und Therapieberufen in der Akademie im 1. Lehrjahr 950 bis 1200 Euro im Monat.
 

„Karriere in diesen Berufen muss sich lohnen“

Mehr Wertschätzung für diese Berufe und ein guter Lohn für eine wichtige Arbeit spielen gleichermaßen eine Rolle, dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Karriere in diesen Berufen muss sich lohnen. Damit muss sich die Gesellschaft auseinandersetzen, es muss durch eine Gesellschaft refinanziert werden“, sagte Gastredner Andreas Westerfellhaus (CDU). Er war bis 2021 Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium und Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege. Angefangen hatte er einst mit einer Ausbildung zum Krankenpfleger. Er riet den 116 Azubis: „Sie müssen auch fordern. Bringen Sie sich mit ein, überlassen sie das nicht anderen. Die werden im Zweifelsfall nicht für sie entscheiden.“

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